Dienstag, 23. Dezember 2014

Ihr bedeutet mir die Welt, deshalb mein #Geschenk an euch




Es ist morgens, 4.13 Uhr MEZ. Heute schreibe ich in eigener Sache über das, was mir am Herzen liegt. Ich bin süchtig. Ohne Chance auf Heilung. Schrecklich?
(Für Lesefaule: Wer nur auf das Geschenk spekuliert, scrollt nach unten).
Schon im Alter von fünf Jahren schlinzte ich meinem geliebten Bruder beim Buchstaben lernen über die Schulter. Kaum in der Schule, konnte ich lesen. Damit begann meine lebenslange Abhängigkeit. Seit ich sechs bi,n schreien meine Augen nach Buchstben, mein Gehirn nach Wörtern, mein Inneres nach Sätzen, meine Hände nach dieser bestimmten Haltung, in der sie ein Buch fixieren. So viel habe ich gelesen, doch nie wurde ich endgültig befriedigt. Wie einst der kleine Hävelmann schrie alles in mir mehr, mehr, mehr! 
Zum meinem Geburtstag Mitte Dezember bekam ich von meinem Jüngsten mein Weihnachstgeschenk. »Du hast letztes Jahr bald geheult, weil du keine Bücher bekommen hast. Da hatte ich Angst, dass dir die Leute dieses Jahr vielleicht wieder nur eine Villa, ein Wohnmobil, ein Motorrad oder einen Porsche schenken.«
Als mein Ältester geboren wurde - eins der zwei schönsten und klügsten Kinder der Welt, entschuldigt, liebe benachteiligten anderen Eltern - brachte mir mein Vater ein Geschenk in die Klinik. Er, der für Geschenke sonst wenig im Sinn hatte - das erledigte Mutti. Es handelte sich um ein »Tagebuch für 1000 Tage«. Jeden Tag schrieb ich etwas über meinen Sohn, dessen Name ich hier nicht nennen darf, wie peinlich wäre das denn, also nennen wir ihn einfach ... Marc-André? 
Ich notierte nicht, was er gegessen oder gekötzelt hatte, (nur wenn ich selber gekocht hatte, dafür stehe ich mit meinem Namen) oder wie die Beschaffenheit seines Verdauungsendproduktes ausgesehen hatte. Darüber gab es bannig viele Bücher. Ich beschrieb stets eine kleine Anekdote. Es endete ihn betreffend damit, dass ich ihm ein Studenten-Tagebuch über seine 5 Jahre überreichte, welches ich heimlich verfasst hatte.
Was für mich eine Riesenangelegenheit war, denn ich musste es heimlich tun, und dazu noch für mich behalten. Beruflich unterliege ich der Schweigepflicht und hatte damit nie Probleme. Vielleicht ein einziges Mal, als eine Patientin mir ihren  Gulaschtopf-Glasscherbenmord an ihrem untreuen Gatten beichtete.
Wenn ich hingegen jemanden eine Freude bereiten kann, könnte ich auf den Beinen hopsen, in der Hoffnung, dass er etwas merkt, und quengelt, was denn los sei. Ich daraufhin großmütig nachgeben und erzählen kann. Oder schenken. 
Da ich ein früher Weihnachtsgeschenkeinkäufer bin, musste ich stets am 23. erneut los. Die vorher gekauften Geschenke hatten die Kinder vorab zu anderen wichtigen Anlässen erhalten, zum Beispiel, weil gerade Montag war oder vielleicht 19.30 Uhr?
Jedenfalls war das Studententagebuch fertig. Dasselbe für den Kleinen? Wäre ja Wiederholung. Für meine Pflegetochter? Da müsste ich erst fragen, pfiffige Räuberkinder mögen manchmal lieber diskret. 
Gut. 
Ich schrieb also weiter für diverse Aktenordnerregale. Absolvierte 6 Semester Fernstudium über kreatives Schreiben und Literatur, wonach man sich Autor oder Schriftsteller nennen darf - darf man aber eigentlich auch so. 
Ich schrieb Unterlagen für meine Seminare, Kurzgeschichten, Fachberichte, platzte vor Mitteilungsbedürfnis und erfuhr eines Tages: Heutzutage in Deutschland ein Buch veröffentlichen? Das geht kaum. Die Verlage kaufen lieber Bestseller aus dem Ausland, übersetzen sie, das ist eine sichere Sache. Versteht man auch, wenn man die Werbekosten kennt, die ein unbekannter Autor verursacht. 
Dann kam die Idee mit diesem Blog. »Du brauchst allerdings ein paar Monate, bis jemand auf dich aufmerksam wird,« erklärte mir eine Kollegin.
Und jetzt das: in vier Monaten über eine halbe Millionen Seitenaufrufe. Und das, wo ich nicht einmal schreibe, wie man soll, ja, bei mir ist Hopfen und Malz verloren (das wäre übrigens ein verachtetes Klischee, sollte man nicht verwenden. Aber du verstehst sofort, was ich meine, nicht wahr?)
Dazu hieß es, jeder Blog, jedes Buch, müsse ein Thema haben. EINS? Unser Leben hat 39.453.3939 und mehr! Und da soll ich mich für ein Thema entscheiden? Nö. Will icsh nich´. 
Dementsprechend habe ich das schlechteste Buch der Welt geschrieben, Anfang des Jahres wird es als eBook veröffentlicht. Ich erzähle über tausend Dinge. In einem Ton, wie mir der Ruhrgebietsschnabel gewachsen ist. Allerdings leidet inzwischen mein Umfeld. Nie sieht man mich ohne Notizbuch. Ich kann nicht mehr als vier oder fünf Stunden schlafen, dann werde ich wach, und ahhhh, da habe ich eine Idee, die schnell notiert werden will. Schon bin ich putzmunter. Umgedreht geht es mir abends, wenn andere Leute fernsehen. 
So arbeite ich in meiner Praxis. Und schreibe. Mein Tag beginnt gegen 5, endet gegen 21 Uhr. Ich schreibe in diesem Raum, der nicht länger ausschließlich Sprech-, sondern auch Schreibzimmer ist. 
Könnt ihr euch vorstellen, wie groß mein Suchtverhalten ist? Und wie ich mich fühle, wenn eine halbe Millionen Leutchen auf meine Seite schauen, der ein oder andere sogar mal einen Bericht zu Ende liest?
Ich möchte ungeschminkt über den Weg zu einem 
Knallvergnügten Leben zeigen. 
Nur noch wenige Stunden, dann gibt es mein Geschenk für euch, als Dankeschön für eure Plusse, eure Kommentare, E-mails... und für die Zeit, die ihr euch fürs Lesen genommen habt. Bis später. 

Herzlichst, BiggY