Mittwoch, 22. April 2015

Geschwindigkeits-Kontrolle mit Günter-ohne-h

(piqs/cyanopolis)

Manchmal bekomme ich Informationen. Weil: Ich kenne Redakteure und Reporter. Gebildete wie auch von der Bild. 


Und dann noch jemanden der jemanden bei der Polizei kennt. Das ist dieser eingetragene Verein, vor denen die Eltern ihren Nachwuchs oft warnen:
"Sei brav, sonst kommt die Polizei." Die ganz phantasievollen setzten noch hinzu:"...und verhaften dich. Sperren dich ein. Also räum lieber dein Zimmer auf. Lern artig." 
Und so weiter. Hoffen wir, dass diese Kinder nie in Not geraten. 


Diesen Polizist, den jemand kennt, der mir bekannt ist, nennt sich Günter.  Ohne h. Günter-ohne-h ist in einem Alter, wo er Neuem gegenüber nicht mehr  sehr aufgeschlossen ist. Manches vergisst er auch schon mal. Altes aber hat er dauerhaft unter seiner Polizistenkappe abgespeichert. Auch wenn die meist auf dem Rücksitz seines Polizeiautos liegt. Er hat noch Haare, braucht sie nicht. 



Wie gesagt, an Altem hält er gern fest. 

Und dann dieses neue Polizeipräsident. (Ich möchte nicht, dass das Geschlecht erkennbar wird, man könnte zurück verfolgen, wen ich meine? Ich habe Angst vor Verhaftung. Also neutral). Dieses Polizeipräsident will sich profilieren. Vor den Politikern. Den Sesselsitzern. Den Dienstguppenleitern und -leidende.

Ähnlich bei Fernsehen oder Steuerfahndung  (da kenn ich auch wen, aber über den zu schreiben trau ich mich nicht, hatte gerade erst eine Steuerprüfung): In der Neuzeit zählt Quote, Quote, Quote. Unter anderem bei der Verkehrskontrolle. 


Bei uns im Kreis wurde ich neulich mit 34 km/h geknipst. Von der Stadt, nicht der Polizei. Ja gut, es war in der Tempo-30-Zone. Am Friedhof. Was soll ich dazu sagen, ohne pietätlos zu klingen.

Entschuldigung.

Aber ehrlich, übertreiben die deutschen Städte nicht mit ihren Messungen? (Wobei: in Frankreich war ich 1, ja, ich betone, einen km zu schnell und musste 40 Euro bezahlen! Also haben wir quasi Sonderangebote, nicht wahr?)

Ich schweife ab, sorry, als Schriftstellerin soll man das nicht. Ach, was soll´s. Nenn ich mich halt Schrifterstellerin.


Also: Günter- ohne- h mag Altes, und ja, er verabscheut Neues. Zum Beispiel diese Straßenrallyes, die ab Mitternacht stattfinden, wo er bereits zwei Jugendliche vom Baum schälen, ein anderes Mal  jemand aus dem Auto schneiden lassen musste. Für die Überlebenden hagelt´s Knöllchen und Anzeigen. Zum Schutz der Schutzlosen. 



Aber neuerdings soll er Quote machen, und das täglich. An allen Rundungen fehlen Polizei-Beamte, und er soll sich mit knipsen (nicht zu verwechseln mit fotografieren!) an allen Straßenecken aufhalten. Natürlich an einträchtigen Stellen, gern bergab führende Straßenabschnitte. Wo kaum jemand herfährt, aber wenn, dann..



Kürzlich erfuhr Günter-ohne-h von einer relativ neuen Sache. 

Kennst du die Option, als Autofahrer einen Radiosender über Verkehrskontrollen zu informieren? Als  Günter davon hörte,  dachte er ein paar Wochen nach. Dann entwickelte er eine - neue! - Idee:


Jetzt stellt er sich der Radarmessung nicht mehr entgegen, wenn er dazu verblitzt wird. Aber bevor es losgeht, verschwindet er hinter einen Baum. Nein, nein, nicht was du denkst. 
Er verbirgt sich dort, nimmt sein Handy (Baujahr 1998) und benennt dem Radiosender - als Anrufer namens Rolf -  den Ort der Messstelle. Dann justiert er das Infrarotgerät. In der 30er Zone auf 39. Dann schiebt er seine großen Hände in die Taschen seiner Polizeijacke (Herstellungsjahr: 1989). Und wartet. 
Geduldig. 
Das ist seine Art.


Ich find das gut. Aber darf das in der hiesigen Presse natürlich nicht veröffentlichen. 

Herzlichst, BiggY