Dienstag, 16. Juni 2015

Was gehört zu deinem KNALLVERGNÜGTEM Leben? Ein Hoch auf "uns"



Ich reise gern, sammle Eindrücke, lerne und schreibe.

»Nur durch schreiben lernt man schreiben,« heißt es.
»Nur durch leben lernt man Leben,« denke ich oft, und weiter:
»Nur durch lieben lernt man Lieben«.

Auf einer meiner Reisen durfte ich an einer besonderen Art von Trauung teilnehmen. Ich werde sie nie vergessen. 

Ein junges Paar, Paul und Marie, hatten sich in tiefer Verliebtheit entschieden, diese durch ein besonderes Band zu festigen. 
Sie waren unterschiedlichen Glaubens, aber beide Buddhisten. So nutzten sie ihre Kontakte und feierten eine buddhistische HochZeit in einer kleinen, romantischen Natursteinkirche. 

Zuvor buchten sie bei mir ein Ehevorbereitungs-Seminar. »Prophylaktisch«, denn ihnen war klar, dass guten durchaus weniger gute Zeiten folgen konnten. Und da bereits drei ihrer Freundespaare geschieden waren, wollten sie alles unternehmen, dass ihnen so etwas nicht passierte. 

Ich wurde zu kirchlichen Trauung geladen, sollte Textausschnitte mitschreiben. Später wollten wir gemeinsam mit dem Fotografen ein Ehebuch anlegen. 

Die Trauungszeremonie begann. Leise, so dass die anderen Gäste es nur hören konnten, wenn sie die Ohren sehr spitzen, schaute der buddhistische Mönch zu Marie und sagte leise:

«Ab heute denkst du nicht mehr an dich.« 

Dann wandte er sich Paul zu und sprach:
»Ab heute denkst auch du nicht mehr an dich.«

Er wandte sich widerum an die Braut:
»Ab heute denkst du auch nicht mehr an deinen Mann.«

Dann drehte es sich zu diesem:
»Und du, Paul, du denkst ab heute nicht mehr an und für deine Frau.

Anschließend drehte er sich Richtung Altar, machte sich an  seiner Kleidung zu schaffen, ließ dem jungen Paar Zeit.

Paul und Marie wandten sich einander zu. Sie schauten sich fragend an, ratlos. Wie, sie sollten nicht mehr an den anderen denken? 
Jeder von den beiden sah Verunsicherung in den Augen des anderen.
"Was meint er damit? Ist eine Ehe nicht dazu da, an einander zu denken?" Sie verstanden den Mann nicht, den sie für alt und weise gehalten hatten.

Der Mönch näherte sich ihnen wieder.
»Ab heute," sagte er, "und merkt euch das gut, denkt ihr nur noch an »uns«. Es gibt kein dich und mich mehr, es gibt nur ein »uns«.

Marie zögerte, dann lächelte sie. Paul schaute seine zukünftige Frau an, sie reichten einander die Hände, verschränkten ihre Finger in einander.

Dann fragte der Mönch: »So, und wenn nun jemand von euch Probleme bekommt, Eigenarten entwickelt, Hilfe benötigt ... wessen Angelegenheit ist es, diese zu klären?«

»Unsere."
" Es ist unserere gemeinsame Aufgabe.«

»Ich sehe, ihr habt mich verstanden.« 

Er schloss seine von Altersflecken übersäten Hände über  ihre jungen, glattweißen Finger und sprach:
»Hiermit erkläre ich euch gerne zu einem Ehepaar. Ich bin sicher, wenn ihr euch an diese Weisheit haltet,  wird einer  meiner jungen Mönche euch einst den Segen zu eurer goldenen Hoch-Zeit spenden. Herzlichen Glückwunsch."


Ja, ich gestehe, wenn ich heute willige Paare berate, um ihnen zu einer glückvollen Beziehung zu verhelfen, verwende ich diese budhhistischen Weisheiten zum Teil weiter - egal, welchem Glauben das Liebes-Paar angehört. 

Paar ist Paar.


Herzlichst, BiggY